Kostendruck verschiebt die Corporate-Nachfrage

Geschäftsreisen bleiben ein wichtiger Nachfragefaktor für Serviced Apartments, doch Unternehmen steuern ihre Reisebudgets unter erhöhtem Kostendruck. Für das Segment rücken damit vor allem längere, projektbezogene Aufenthalte und Corporate Mobility in den Fokus. Gleichzeitig wächst das Angebot in Deutschland deutlich.

Graphik zu Business Travel

©Pixabay/Mohamed_hassan

Für die Corporate-Nachfrage nach Serviced Apartments ist nicht allein entscheidend, wie viele Geschäftsreisen stattfinden. Ebenso relevant ist, aus welchem Anlass Mitarbeiter reisen und wie lange sie am Zielort bleiben. Der GSAIR EMEA 2026 beschreibt Corporate Mobility, projektbezogene Arbeit und Relocations als strukturelle Treiber längerer Aufenthalte in Europa. Das trifft auf einen Geschäftsreisemarkt, in dem Kosten stärker ins Gewicht fallen. Der „2027 Global Business Travel Forecast“ von GBTA und ALTOUR beschreibt für 2026 ein erhöhtes Kostenniveau. Energiepreise, strukturell höhere Personalkosten und begrenzte Kapazitäten im Flugverkehr belasten die Reisebudgets. Für 2027 rechnen die Autoren zwar mit einer Entspannung, nicht aber mit einer vollständigen Rückkehr zum vorherigen Preisniveau.

Der GSAIR stellt dazu einen unmittelbaren Bezug zu längeren Geschäftsaufenthalten her: Extended-Stay-Produkte könnten insbesondere bei Relocations, Projektteams, Trainings und längeren Assignments die Total Trip Cost gegenüber mehreren Hotelnächten reduzieren. Zugleich verweist der Report auf die Nachfrage nach mehr Platz sowie Küchen- und Wohnmöglichkeiten. Für Serviced Apartments ist damit weniger ein pauschaler Preisvergleich pro Nacht relevant als ihre Positionierung bei konkreten längerfristigen Reiseanlässen.

Wie stark Unternehmen auf ihre Reisebudgets achten, zeigt sich auch bei den Flugkosten. Global soll der durchschnittliche Flugpreis 2026 laut GBTA und ALTOUR um 4,7 Prozent steigen, Economy-Tickets um 8,7 Prozent und Premium-Tickets um 9,5 Prozent. Gleichzeitig verschiebt sich der Ticketmix in Richtung Economy. Der Forecast führt dies darauf zurück, dass Geschäftsreisende und Travel Manager versuchen, begrenzte Budgets weiter auszuschöpfen. 2027 soll sich die Preisdynamik deutlich abschwächen.

Corporate-Nachfrage mit anderem Profil

Der europäische Serviced-Apartment-Markt kam nach Angaben des GSAIR mit einer soliden Entwicklung aus dem Jahr 2025. Die Verbesserung wurde stärker von steigender Auslastung als von höheren Raten getragen. Für 2026 sieht der Report weiterhin Unterstützung durch eine sich erholende Corporate-Nachfrage, betont zugleich aber deren höhere Kostensensibilität. Dabei ist die Entwicklung nicht mit einer einfachen Rückkehr des klassischen Business Transient gleichzusetzen. GBTA und ALTOUR erwarten im Hotelmarkt, dass sich die Business-Transient-Nachfrage langsamer erholt als Leisure- und Gruppennachfrage. Der GSAIR verweist für Serviced Apartments dagegen auf Reiseanlässe, die von vornherein auf längere Aufenthalte ausgerichtet sind. Damit wird für das Segment die Zusammensetzung der Corporate-Nachfrage mindestens ebenso relevant wie deren Gesamtvolumen.

Weitere Kennzahlen zum Markt:

  • Für Europa weist der GSAIR in den kommenden rund fünf Jahren etwa 16.500 neue Serviced-Apartment-Einheiten aus; auf Deutschland entfallen 20 Prozent.
  • Die deutsche Pipeline umfasst laut der im GSAIR zitierten HVS-Erhebung für 2025 bis 2029 insgesamt 3.174 Einheiten, davon befinden sich 59 Prozent im Bau. 22 Prozent der deutschen Pipeline entfallen auf Berlin, 15 Prozent auf Frankfurt am Main und neun Prozent auf Stuttgart.
  • In großen europäischen Städten liegt der Extended-Stay-Anteil am Beherbergungsangebot laut GSAIR durchschnittlich bei 6,1 Prozent; Frankfurt erreicht 12,1 Prozent.

Deutschland baut kräftig Kapazitäten auf

Der veränderten Corporate-Nachfrage steht in Deutschland eine wachsende Angebotsseite gegenüber. Deutschland gehört neben Großbritannien zu den am schnellsten expandierenden europäischen Märkten. Während sich ein großer Teil der britischen Pipeline auf London konzentriert, verteilen sich die neuen deutschen Projekte breiter über mehrere große Städte. Damit wird die lokale Marktsituation wichtiger. Der GSAIR weist ausdrücklich darauf hin, dass selbst eine begrenzte Zahl neuer Projekte die Wettbewerbssituation auf Stadtebene spürbar verändern kann. Eine grundsätzlich passende Corporate-Nachfrage reicht daher nicht aus, um zusätzliche Kapazitäten zu rechtfertigen. Entscheidend ist, wie viel längerfristige Nachfrage an einem Standort tatsächlich vorhanden ist und auf welches bestehende und geplante Angebot sie trifft.

Auch steigende Hotelraten liefern auf EMEA-Ebene derzeit keinen starken zusätzlichen Impuls für eine Verlagerung zu Serviced Apartments. GBTA und ALTOUR prognostizieren für 2026 lediglich einen Anstieg der durchschnittlichen Hotelrate um 0,6 Prozent; 2027 soll sie unverändert bleiben. Die Positionierung von Serviced Apartments gegenüber Hotels lässt sich damit weniger über eine zunehmende Preisdifferenz begründen als über die Anforderungen längerer Aufenthalte und deren Gesamtkosten. Für Investoren und Projektentwickler rückt folglich die konkrete Nachfragestruktur eines Standorts in den Vordergrund. Projektgeschäft, Relocations und andere Formen der Corporate Mobility können eine Basis für längere Aufenthalte bilden. Dem müssen jedoch Pipeline, Wettbewerbsintensität und die vorhandenen Unterkunftsangebote gegenübergestellt werden. Für Betreiber nennt der GSAIR Corporate Contracting, direkte Nachfrage und Produktdifferenzierung als relevante Faktoren; zu den Produktmerkmalen gehören unter anderem Arbeitsmöglichkeiten und Küchen. In einem kostenbewussteren Geschäftsreisemarkt kommt hinzu, den wirtschaftlichen Nutzen des Produkts für den jeweiligen Aufenthaltsanlass nachvollziehbar abzubilden.

Aus den Reports ergibt sich damit kein pauschaler Wachstumseffekt für Serviced Apartments. Die Corporate-Nachfrage verändert vielmehr ihr Profil: Kostendisziplin trifft auf strukturelle Nachfrage aus Corporate Mobility und projektbezogener Arbeit. In Deutschland entscheidet sich deshalb zunehmend auf Ebene des einzelnen Standorts, ob diese Nachfrage ausreicht, um die wachsenden Kapazitäten aufzunehmen.