Sechs Quadratmeter, ein Bett, ein Schrank: und fertig ist die Antwort auf die Wohnungsnot? Das Berliner Unternehmen Communits will ab 2027 jährlich 5.000 solcher Wohnboxen in leerstehenden Bürogebäuden aufstellen und für maximal 500 Euro im Monat vermieten. Der Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf hat das Modell nun als Beispiel für ein Konzept zur Umnutzung von Gewerbeflächen vorgestellt. Vorgesehen sind zudem eine Umbau- und Umnutzungsagentur, eine Öffnung der Wohnungsbauförderung für Bestandsprojekte sowie Erleichterungen im Baurecht. Der Vorstoß zeigt vor allem, wie schnell derzeit alles, was klein, möbliert und befristet vermietet wird, in einen Topf geworfen wird.
Serviced Apartments und professionelles Micro-Living funktionieren nicht nach dem Prinzip, auf möglichst wenig Fläche möglichst viele Schlafplätze unterzubringen. Ihre Qualität entsteht aus dem Verhältnis von privatem Raum, Gemeinschaftsflächen, Service, Betrieb und Aufenthaltsdauer. Je kleiner die Einheit, desto anspruchsvoller muss dieses Zusammenspiel sein. Die Diskussion über Büroumnutzungen betrifft das Segment dennoch unmittelbar. Rund zwei Millionen Quadratmeter Bürofläche sollen allein in Berlin leer stehen. Darin liegt zweifellos Potenzial für temporäre Wohnangebote – allerdings nicht in jedem Gebäude und nicht zu jedem Preis. Gebäudetiefen, Belichtung, Erschließung und Brandschutz bleiben auch dann reale Herausforderungen, wenn der Gesetzgeber Umbauten erleichtert.
Interessant ist deshalb weniger die präsentierte Wohnbox als die Suche nach einer neuen Nutzungskategorie. Zwischen dauerhaftem Wohnen und klassischer Beherbergung haben sich längst Angebote etabliert, die sich rechtlich nur schwer einordnen lassen. Das Apartmentsegment kennt die Folgen: unterschiedliche Genehmigungspraxis, unklare Anforderungen und Abgrenzungsdebatten, die vielerorts jede Projektentwicklung begleiten. Eine solche Regelung könnte mehr Klarheit schaffen. Sie darf jedoch nicht zum Einfallstor für abgesenkte Standards und austauschbare Minimalunterkünfte werden. Wenn temporäres Wohnen politisch erleichtert werden soll, braucht es belastbare Kriterien für Flächen, Gemeinschaftsangebote, Betrieb und Mietdauer.
Herzliche Grüße,
Ivette Wagner,
Chefredakteurin von SO!APART insight


