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Vom Büro zum Serviced Apartment: Wie sich Bestandsimmobilien umnutzen lassen

Steigende Leerstände und veränderte Anforderungen an Büroflächen erhöhen den Druck, Bestandsimmobilien neu zu nutzen. Der apoprojekt-Bestandskompass 01/2026 zeigt, welche Nutzungsarten bei Büro-Konversionen an Bedeutung gewinnen und welche Faktoren ihre wirtschaftliche Umsetzung beeinflussen. Fünf Projekte veranschaulichen, wie Eigentümer, Entwickler und Betreiber ehemalige Bürogebäude und Hotels in Serviced Apartments umwandeln oder mit anderen Nutzungen kombinieren.

Eine leerstehende Industriehalle mit historischen Stahlkonstruktionen und Spuren früherer Nutzung. © stock.adobe.com_tobykoestl

Eine leerstehende Industriehalle mit historischen Stahlkonstruktionen und Spuren früherer Nutzung. © stock.adobe.com_tobykoestl

Leerstand, veränderte Anforderungen an Büroflächen und der Wunsch, Immobilien wirtschaftlich neu aufzustellen, rücken die Umnutzung von Bestandsgebäuden stärker in den Fokus. Serviced Apartments können dabei eine interessante Alternative sein. Der gemeinsam mit bulwiengesa veröffentlichte apoprojekt-Bestandskompass 01/2026, verdeutlicht die wachsende Bedeutung von Umnutzungen im Bürobestand. Alexander Fiebeck, Head of Research bei bulwiengesa erklärt: „Steigende Leerstände sowie eine rückläufige und veränderte Flächennachfrage erhöhen den Investitionsdruck im Bürobestand. Vor diesem Hintergrund rückt die Umnutzung von Bürogebäuden stärker in den Fokus“.

Im Zeitraum von 2020 bis 2030 entfallen rund 35 Prozent der umgenutzten Büroflächen auf Miet- und Eigentumswohnungen, 19 Prozent auf Hotels und 18 Prozent auf wohnwirtschaftliche Apartments. Serviced Apartments machen 13 Prozent aus. Der vergleichsweise hohe Anteil wohnwirtschaftlicher und gewerblicher Apartments lässt sich laut dem Bestandskompass sowohl durch die vorhandene Raumstruktur der Bestandsgebäude als auch durch das erzielbare Mietniveau erklären, das diese Umnutzungen wirtschaftlich tragfähig macht.

Die Umnutzung einer Immobilie ist allerdings kein Selbstläufer. Laut apoprojekt und bulwiengesa hängen die Realisierbarkeit und Wirtschaftlichkeit von Konversionsvorhaben insbesondere von der Lage, dem Marktumfeld und der Gebäudesubstanz ab. Hinzu kommen die vorhandenen Grundrisse, die technische Gebäudeausstattung sowie Anforderungen an Brand- und Schallschutz. Auch der Genehmigungsprozess kann Zeit und Kosten beanspruchen. Bei Serviced Apartments kommen spezifische Anforderungen des späteren Betriebs hinzu. Die Einheiten benötigen in der Regel eine Küchenzeile und eine passende Möblierung. Je nach Gebäude müssen außerdem die technische Infrastruktur und die Erschließung angepasst werden.

Laut der  europäische Branchenanalyse von HVS 2026 sind die größten Kostentreiber sind die Kücheninfrastruktur, die Haustechnik und die Ausstattung (FF&E). Der Einbau von Küchen in den einzelnen Wohneinheiten erfordert zusätzliche Maßnahmen bei der Abwasserentsorgung, Belüftung, Schalldämmung und beim Brandschutz. Dadurch entstehen höhere Planungs- und Bauanforderungen als bei klassischen Hotelzimmern. Diese Mehrkosten können teilweise durch den geringeren Flächenbedarf für Gemeinschaftsbereiche ausgeglichen werden. Bei Konversionen ist dies jedoch nicht immer möglich, insbesondere wenn die bestehende Gebäudestruktur ursprünglich nicht für die Nutzung als Serviced Apartments ausgelegt war. Insgesamt konzentrieren sich die Kosten und die bauliche Komplexität stärker auf die einzelnen Wohneinheiten als auf die Gemeinschaftsflächen. Bei geeigneten Gebäudetypen, insbesondere ehemaligen Bürogebäuden, kann dies wirtschaftliche Vorteile bieten. Zusätzlich können Serviced Apartments im laufenden Betrieb durch schlankere Betriebsstrukturen höhere Margen als vergleichbare Hotels erzielen.

Aroundtown revitalisiert das Hansahaus in der Dortmunder Innenstadt. An der Hansastraße 95 sollen 134 Serviced Apartments entstehen, deren Eröffnung bis Ende 2026 vorgesehen ist. Parallel hat die Sparkasse Dortmund knapp 1.900 Quadratmeter für eine neue Flagship-Filiale angemietet. Das Projekt verfolgt einen Mixed-Use-Ansatz indem es temporäres Wohnen mit einer klassischen gewerblichen Nutzung verbindet. „Mit Mixed‑Use‑Konzepten entwickeln wir Bestandsimmobilien gezielt weiter und ergänzen sie um Nutzungen wie Hospitality, Gastronomie oder Fitness“, sagt Barak Bar-Hen, CEO von Aroundtown. „Serviced Apartments sind dabei ein wichtiger Baustein, insbesondere in innerstädtischen Lagen, weil sie flexible Aufenthaltsformate ermöglichen.

Ein ähnlicher Umbau fand bereits in Dortmund am Königswall statt, wo auf 3.3000 Quadratmetern 52 Serviced Apartments entstanden sind.

Bob W entwickelt in Köln gemeinsam mit Centralis Immobilien zwei ehemalige Hotels nahe dem Hauptbahnhof für den Serviced-Apartment-Betrieb weiter. Am Breslauer Platz 2 sind 134 Apartments auf rund 4.900 Quadratmetern geplant, in der Domstraße 10 weitere 99 Einheiten auf rund 2.700 Quadratmetern. Die bauliche Umsetzung übernimmt apoprojekt. „Dieser Doppelschlag ist typisch für unsere bewährte Akquisitions- und Wachstumsstrategie“, sagt Dr. Fabian Vieregge, Gründer und CEO von Centralis. Das Unternehmen nutzt den Käufermarkt, um Immobilien in zentralen Lagen deutscher A-Städte zu erwerben und als Hospitality-Produkte neu aufzustellen. Dabei setzt Centralis auf eigene Entwicklungs- und Konversionsexpertise, spezialisierte Baupartner und langfristig gebundene Betreiber. 

STAYERY konzipiert am Berliner Ostkreuz die Umnutzung von Büroflächen zu 255 Serviced Apartments auf rund 10.600 Quadratmetern. Die Eröffnung ist für 2027 vorgesehen. Neben den privaten Einheiten sind Gemeinschaftsflächen, eine Bar, eine Dachterrasse und Meetingräume geplant.

Tikehau Capital und Dunman Capital Partners planen in der Frankfurter Innenstadt, ein Bürogebäude aus dem Jahr 1990 mit rund 8.000 Quadratmetern Nutzfläche in ein Haus mit etwa 250 Serviced Apartments umzuwandeln. Vorgesehen sind eine umfassende Sanierung des ehemaligen Hotels und eine Verbesserung der Energieeffizienz. Die Baugenehmigung liegt inzwischen vor. 

Weitere Beispiele für gelungene Umnutzungskonzepte
 

Limehome, Rewari Hotel Berlin

Aus 50 Hotelzimmern wurden 48 Apartments. Das Gebäude aus dem Jahr 1868 wurde umgebaut und im Oktober 2023 eröffnet.

© Limehome

© Limehome

© Limehome

© Limehome

Limehome, ehemaliges Gold Hotel Berlin

Geplant sind 42 Apartments statt bisher 39 Hotelzimmern. Auch frühere Frühstücks- und Küchenflächen werden in die Planung einbezogen.
 

© Limehome

© Limehome

© Limehome

© Limehome

Dein Apart, ehemalige Bürotürme Unterföhring

Zwei ehemalige achteckige Bürotürme aus den 1990er-Jahren wurden zu 561 Studios und Apartments umgebaut.

 

© Dein Apart

© Dein Apart

Four Points Flex by Sheraton, Östringen Vom Industriestandort zum Hotel

Auf dem ehemaligen Produktions- und Verwaltungsstandort von DuPont, Cytec und Solvay ist ein Hotel mit 101 Serviced Apartments entstanden.
 

© Four Points Flex by Sheraton

© Four Points Flex by Sheraton

lyf Gambetta, ehemalige Druckerei Paris 

Das ehemalige Gewerbegebäude wurde zu einem Haus mit 140 Zimmern und Apartments umgebaut. Ergänzt wird das Konzept durch Gemeinschaftsbereiche, Co-Working-Flächen und eine Dachterrasse.
 

© lyf Gambetta

© lyf Gambetta

© lyf Gambetta

© lyf Gambetta

Weitere Projekte in Planung


Ipartment, Düsseldorf-Oberkassel

An der Hansaallee 224–228 sind 105 Apartments auf rund 4.000 m² Bruttogrundfläche vorgesehen.
 

© Ipartment

© Ipartment

Bob W, Karl-Liebknecht-Straße, Berlin

Vom Büro zum Serviced-Apartment-Haus: Aroundtown entwickelt den Bestand nahe dem Alexanderplatz für 285 Apartments weiter. Die Fertigstellung wurde für das vierte Quartal 2026 angekündigt.
 

© Bob W

© Bob W

FU.Life, Boulevard Berlin 

Vom Einkaufszentrum zum Mixed-Use-Quartier: Im Boulevard Berlin sollen 217 Serviced Apartments entstehen. Ergänzt wird das Konzept durch Gemeinschaftsflächen und weitere Nutzungen. Die Eröffnung ist für 2028 geplant.
 

© FU.Life

© FU.Life

Auch auf der SO!APART am 18. und 19. November stehen aktuelle Entwicklungen, Projekte und Konzepte rund um das Temporäre Wohnen im Fokus. Das Programm bietet Einblicke in die Themen und Herausforderungen der Branche.

Das vollständige Programm und Tickets finden Sie hier: SO!APART 2026 – Programm