• Immobilien, Konzepte & Operations

Bleisure und Workation: Vom Trend zur strategischen Aufgabe

Bleisure und Workation sind längst keine Zukunftsthemen mehr. Die entscheidende Frage lautet heute vielmehr: Wie gut sind Unternehmen darauf vorbereitet? Geschäftsreisende planen und erleben ihre Reisen heute anders als noch vor einigen Jahren und die Tourismus- und Hospitality-Branche kommt mit dieser Entwicklung nicht überall im gleichen Tempo mit.

Das Forschungskonsortium der IU Internationalen Hochschule:  Prof. Dr. Peter Neumann, Prof. Dr. Claudia Strassburger, Dr. Andreas Zimmer sowie Prof. Dr. Sven Pastowski

Das Forschungskonsortium der IU Internationalen Hochschule: Prof. Dr. Peter Neumann, Prof. Dr. Claudia Strassburger, Dr. Andreas Zimmer sowie Prof. Dr. Sven Pastowski (v.l.) ©IU

Mit dem Bleisure & Workation Monitor Deutschland der IU Internationalen Hochschule wurde erstmals sowohl die Nachfrage- als auch die Angebotsseite systematisch untersucht. Die Ergebnisse zeigen ein klares Bild: Während sich das Reiseverhalten vieler Geschäftsreisender bereits deutlich verändert hat, reagieren touristische Anbieter bislang häufig noch eher situativ als strategisch.

Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick:

  • 44% der Geschäftsreisenden haben bereits eine Geschäftsreise privat verlängert (Bleisure).
  • 59% können sich vorstellen, Bleisure künftig häufiger zu nutzen.
  • 22% haben bereits Erfahrungen mit Workation gesammelt.
  • Ein Bleisure-Aufenthalt verlängert die Reise im Durchschnitt um zwei zusätzliche Übernachtungen.
  • Workation-Aufenthalte dauern durchschnittlich sechs Tage.
  • Gleichzeitig verfügen 77% der befragten Anbieter über keine spezifischen Bleisure-Angebote.
  • Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe reagiert bislang überwiegend situativ auf Kundenanfragen, während nur ein kleiner Teil Bleisure bereits strategisch entwickelt.
  • Als größte Chancen nennen die befragten Anbieter längere Aufenthalte, zusätzliche Umsätze und neue Zielgruppen.

Mehr Informationen zur Studie unter: https://www.bleisure-workation-monitor.de/ 

Zwischen Nachfrage und Angebot klafft eine Lücke

Die Ergebnisse machen deutlich: Das eigentliche Problem ist heute nicht die Nachfrage nach Bleisure oder Workation. denn Geschäftsreisende kombinieren Arbeit und Freizeit bereits heute selbstverständlich oder möchten dies künftig häufiger tun.

Die größere Herausforderung liegt auf der Angebotsseite. Viele Betriebe ermöglichen Bleisure bereits, allerdings häufig eher zufällig als geplant. Eine strategische Positionierung, klar kommunizierte Angebote oder buchbare Leistungspakete sind bislang noch die Ausnahme.

Genau hierin liegt jedoch eine große Marktchance. Denn wer Bleisure aktiv gestaltet, profitiert nicht nur von zusätzlichen Übernachtungen. Die Studie zeigt auch, dass hybride Reiseformen die emotionale Bindung an eine Destination stärken und die Wahrscheinlichkeit erhöhen können, dass Gäste später privat zurückkehren.

Bleisure ist eine Netzwerkaufgabe

Ein weiteres Ergebnis der Studie lautet: Bleisure entsteht nicht allein in der Unterkunft. Erfolgreiche hybride Reiseformen leben vom Zusammenspiel unterschiedlicher Akteure. Attraktive Freizeitangeboten treffen dabei auf Gastronomie und Mobilität bis hin zu Convention Bureaus und Destination Management Organisationen (DDMO). Wer Bleisure ausschließlich als Hotelprodukt versteht, verschenkt damit ein Potenzial für mehr regionale Wertschöpfung.

Gerade Destinationen können hier künftig eine stärkere Rolle übernehmen, indem sie Partner vernetzen, buchbare Angebote bündeln und den Übergang zwischen Business und Freizeit aktiv gestalten.

Was bedeutet das für Serviced Apartments?

Für Serviced Apartments sind die Studienergebnisse besonders interessant. Denn viele Eigenschaften, die Bleisure- und Workation-Gäste suchen, gehören bereits heute zum Kern ihres Angebots. Die Herausforderung besteht deshalb weniger darin, neue Produkte zu entwickeln. Vielmehr geht es darum, vorhandene Stärken konsequent sichtbar zu machen und strategisch weiterzuentwickeln.

Dazu gehören insbesondere:

  • Flexible Aufenthaltsdauern, die spontane oder geplante Reiseverlängerungen erleichtern.
  • Professionelle Arbeitsmöglichkeiten mit leistungsfähigem WLAN, ergonomischen Arbeitsplätzen und einer ruhigen Arbeitsumgebung.
  • Wohnqualität durch Küche, getrennte Wohn- und Arbeitsbereiche sowie mehr Privatsphäre.
  • Long-Stay-Angebote, die zusätzliche Übernachtungen gezielt fördern.
  • Bleisure-Pakete, die Freizeitangebote der Destination bereits in den Buchungsprozess integrieren.
  • Kooperationen mit regionalen Partnern, etwa aus Gastronomie, Kultur oder Freizeit.
  • Eine klare Kommunikation, die Bleisure und Workation nicht nur ermöglicht, sondern als eigenständigen Mehrwert sichtbar macht.

Die Studie legt nahe, dass Serviced Apartments aufgrund ihres Leistungsprofils hervorragende Voraussetzungen mitbringen. Der eigentliche Wettbewerbsvorteil entsteht künftig jedoch nicht allein durch das Produkt, sondern durch dessen konsequente Positionierung.

Fazit

Der Bleisure & Workation Monitor Deutschland zeigt einen bemerkenswerten Befund: Die Nachfrage entwickelt sich schneller als das Angebot. Für Serviced Apartments ist das eine gute Nachricht. Sie müssen ihr Geschäftsmodell nicht neu erfinden. Viele der Eigenschaften, die hybride Reisende erwarten, sind bereits vorhanden. Jetzt gilt es, diese Stärken bewusster zu kommunizieren, einfacher buchbar zu machen und gemeinsam mit den Destinationen in überzeugende Angebote zu übersetzen.

Bleisure und Workation sind damit weniger ein neues Produkt als eine neue Perspektive auf den Geschäftsreisemarkt und für Serviced Apartments eine Chance, ihre bestehenden Qualitäten noch klarer als Wettbewerbsvorteil zu positionieren.